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Gschichten vom Hüttenwirt

Sonntag, 10. Juni 2012 Es nahm den Anfang am Königsjodler

Gestern Abend, so gegen halb sieben, sahen wir eine größere Gruppe am Königsjodler aussteigen. Meine Frau Jeni hat

gleich noch heißes Wasser am Ofen aufgesetzt, da wir annahmen die neun Leute würden wohl gleich zu uns rüber auf das Matrashaus kommen. Am späten Nachmittag hatte es nämlich ganz schön geschneit, und die Neun mussten ziemlich ausgekühlt sein.

Zuerst traute ich meinen Augen nicht, denn die Gruppe schlug nicht den Weg zu uns aufs Matrashaus ein, sondern ging nach Westen in Richtung auf die Teufelslöcher zu. Um diese späte Zeit und bei den momentanen Verhältnissen konnte ein Abstieg über die Bertgenhütte nur in die Hose gehen. Die Gruppe zog sich auch ziemlich auseinander und besonders zwei Personen blieben deutlich zurück. So gegen halb neun Uhr konnte ich im Fernglas sehen, dass die ganze Gruppe wieder umkehrte. Anscheinend war ihnen klar geworden, ein Abtieg über die Teufelslöcher war nicht möglich.

Aber anstatt in ihrer eigenen Spur wieder zurück zu gehen, in einer guten Stunde würde es dunkel werden, sah ich einen Dreiertrupp, der direkt über den Gletscher abkürzen wollte. Das Ganze war keine gute Idee, denn selbst wenn die drei die Hütte noch vor Einbruch der Nacht erreicht hätten, wäre der Rest der Gruppe nicht mehr bis auf die Hütte gekommen. Außerdem hätten sie im Finstern auf den felsigen Abchnitten die Spur verloren.

So gegen halb zehn Uhr abends sah ich zum letzten Mal noch zwei Leute am Westgletscher mit Stirnlampen, dann zog Nebel auf und es wurde finster. Bei dem Tempo, das die ersten Drei vorgelgt hatten, hätten sie längst auf der Hütte sein müssen. Also hatten sie wahrscheinlich nicht das Matrashaus als Ziel im Auge, sondern waren auf eine neue fragwürdige idee gekommen. Bis halb zwölf Uhr habe ich unser Stromaggregat laufen lassen und einen starken Halogenstrahler aufgestellt. Vielleicht konnten sie im Nebel das Licht sehen und die Hütte finden.

In der Nacht war niemand zur Hütte gekommen, und am Morgen war immer noch dichter Nebel mit leichten Schneeschauern. Der Wetterbericht hatte für heute auch noch schlechtes Wetter angekündigt. Ziemlich unwahrscheinlich, dass es die Neun noch in der Nacht bis ins Tal geschafft haben könnten. Besonders die beiden, die ich zuletzt noch am Gletscher gesehen hatte, dürften ziemlich am Ende sein.

Ich wollte nicht gleich beim Bergrettungs Notruf eine große Suchaktion starten, deshalb hab' quasi privat erstmal beim Tom, dem Bergrettungschef von Mühlbach angerufen. Obwohl er am Sonntag Morgen um sieben wahrscheinlich endlich mal frei hatte, ist er gleich zum Parkplatz der Erichhütte gefahren, um zu schauen, welche Autos da stehen. Wie schon vermutet standen dort 3 ungarische Fahrzeuge. Auf den umliegenden Hütten war die Gruppe bisher auch noch nicht aufgetaucht, Hubschrauber konnte bei dem Wetter auch keiner fliegen und eine Suche auf Verdacht irgendwo im gesamten Hochköniggebiet hatte für die Bergrettung ebenso wenig Aussicht auf Erfolg.

Ich hab' also meine Siebensachen gepackt und mich auf die Suche nach der Gruppe gemacht. Die Frage war nur, was sollte ich alles mitnehmen? Biwaksack habe ich sowieso immer im Rucksack Aber ein Biwaksack für neun Leute? Was sollte ich an Verbandszeug mitnehmen, falls jemand verletzt war? Ersatzkleidung! Auf jeden Fall noch zwei, drei Mützen und einige Paar Ersatzhandschuhe. Nach so einer Nacht brauchten sie sicherlich etwas zu essen und zu trinken.Aalso habe ich auch noch einen halben Karton Schokolade und eine 5 Liter Thermoskanne mit heißem Tee mitgenommen.

Das ganze hilft natürlich nichts, wenn ich dann selber in Schwierigkeiten gerate. Also meine übliche Ausrüstung. Haube, Handschuhe, Anorak, Überhose, Schibrille, Funkgerät weil das Handy am Hochkönig nur an wenigen Plätzen funktioniert. Zuletzt noch mein GPS, denn obwohl ich mich am Hochkönig inzwischen schon recht gut auskenne, braucht man sich im dichten Nebel nicht auf sein Gefühl verlassen. Ach ja, natürlich noch genügend Ersatzbatterien. Die ganze Technik nützt ohne Strom nämlich gar nichts. Als ich dann meinen Rucksack aufgehoben habe, wusste ich warum die Bergrettung im allgemeinen immer mit mehreren Leuten unterwegs ist.

Mein Plan war zuerst am Weg Richtung Teufelslöcher zu gehen, um dann quer über den Gletscher die Spur der Gruppe zu suchen. "Whiteout" nennen die Amerikaner solche Verhälnisse, wenn im Schnee und Nebel keinerlei Konturen mehr auszumachen sind. Ich hab dann sogar ein paar Spuren gefunden, allerdings waren die von einem Schneehasen. Ich frag mich immer wieder wie diese Tiere hier oben, wo es ja wirklich nichts zu fressen gibt, überleben können. Plötzlich ist der Schneehase keine fünf Meter vor mir im Nebel aufgetaucht. Ich glaub er war mindestens genauso überrascht wie ich. Erkannt hab ich ihn auch nur, weil er inzwischen schon seine Sommerfärbung angenommen hat. Nur noch die Beine waren weiß. Er hat kurz Männchen gemacht und ist dann im Nebel verschwunden. Ohne GPS.

Gletscherspalten gibt es zwar auf der Übergossenen Alm keine, aber einige tiefe Wassergräben, die zur Zeit genauso wie Gletscherspalten zugeweht sind. Ganz wohl war mir also nicht, und ich nahm mir vor, diese Wasserläufe im Sommer mal auf meinem GPS zu markieren. Nach einer guten halben Stunde auf dem Gletscher fand ich auch tatsächlich die Spur der Guppe und folgte ihr Richtung Nordosten. Inzwischen htte sich auch der Nebel ein wenig gelichtet und ich konnte schon deutlich mehr Konturen erkennen. Etwa eine Stunde bin ich der Spur nachgegangen. Anscheinend hatten sie gar nicht versucht zum Matrashaus zu kommen, denn die Spur zog beständig abwärts Richtung Nordosten, das war mehr in Richtung Floskogel und Ostpreußenhütte.

Für mich stellte sich die Frage, was sollte ich weiter machen? Der Spur zu folgen war teilweise schon ganz schön schwierig, denn ich war inzwischen vom Gletscher herunten und im felsigen Gelände musste ich stellenweise suchen, bis ich die Spur wieder fand. Im Nebel war das gar nicht so einfach. Ich hatte weder Funk- noch Handyverbindung und die Zeit ging auch schon auf Mittag zu. Sollte ich die Gruppe finden würde es noch einmal dauern, bis die Bergrettung informiert werden konnte. Vielleicht hatten es die Neun ja inzwischen sogar schon bis ins Tal geschafft.

Meinen bisherigen Weg hatte ich auf dem GPS aufgezeichnet und das Suchgebiet konnte auch schon eingeschränkt werden. Ich wollte also umkehren um wieder Kontakt mit der Bergrettung aufzunehmen. Noch ein letztes Mal rief ich in den Nebel hinein und glaubte auch tatsächlich eine Antwort zu bekommen. Da sah ich auch schon aus dem Nebel zwei Gestalten auftauchen.

Es waren zwei aus der vermissten Gruppe. Soweit ich es heraus bekommen konnte, waren cirka 2 Stunden entfernt noch vier Leute, zwei davon waren so erschöpft, dass sie nicht mehr weiter konnten und unbedingt Hilfe brauchten. Die beiden konnten mir zwar überhaupt nicht sagen wo die anderen vier denn sein sollten, aber einer von den beiden hatte die Postion auf seinem Smartphone markiert. Diese neuen Dinger haben ja auch eine GPS Funktion.

Ich wollte mir diese Position gleich auf meinem GPS eingeben, und da fiel mir schon auf, der Ostwert konnte nicht stimmen, der lag jenseits von Gut und Böse. Wie dem auch sein, hier im Nebel und Schneetreiben konnte ich nicht viel ausrichten. Ich wollte versuchen wieder Funkkontakt mit meiner Frau am Matrashaus zu bekommen, damit sie die Bergrettung über die neue Situation informieren konnte. Anfangs bin ich noch mit den beiden Ungarn gemeinsam zurück, aber die beiden waren einfach zu langsam und erschöpft. Einerseits wollte ich die beiden nicht alleine lassen, nicht dass wir dann zwei Probleme mehr haben. Andererseits wollte ich aber auch möglichst schnell die Bergrettung informieren. Die konnten nur zu Fuß ausrücken, ein Hubschrauberflug war nach wie vor unmöglich. Ich bin also vorraus und habe die beiden eindringlichst ermahnt in der Spur zu bleiben; ja keine Abkürzer selbst wenn der Nebel aufreißen sollte. Ich würde dann in der Spur zurück gehen um sie wieder abzuholen.

Weiter oben am Gletscher bekam ich auch tatächlich Funkkonakt mit meiner Frau. Die Verbindung war zwar ziemlich schlecht, aber ich konnte sie grob über die Lage informieren und die Position der Vermissten durchgeben. Zumindest war damit die Suchaktion angelaufen. Ich bin wieder zurück, um die beiden Ungarn aufzusammeln. Beim Rückweg zum Matrashaus mussten wir öfters rasten, die beiden waren schon ganz schön erschöpft. Bei den Pausen habe ich versucht heraus zu bekommen, was denn eigentlich passiet ist. Ich hatte am Abend 9 Leute gesehen, wenn dort unten 4 Leute sitzen fehlen doch 3 Personen - wo sind die? Aber das wußten die beiden auch nicht. Die Drei waren am Abend voraus gerannt und seitdem hatten sie von den dreien nichts mehr gehört und nichts mehr gesehen.

Meine Frau Jeni war wirklich froh als ich wieder auf der Hütte war, denn dauernd läutete das Telefon. Bergrettung und Polizei hatten natürlich inzwischen auch gemerkt dass die angegebene Position irgendwo Richtung Oberöstereich lag. Meine Frau konnte ja nicht mehr sagen als das was sie am Funkgerät verstanden hatte. Woran der Fehler lag wusste sie auch nicht.

Zum Glück war wenigstens inzwischen die Bergrettungsaktion angelaufen. Drei Bereitschaften aus Werfen, Bischofshofen und Mühlbach waren im Einsatz. Die drei fehlenden Personen waren inzwischen auch aufgetaucht. sie waren noch in der Nacht bis ins Tal abgestiegen. Der Feher bei der falschen Position hatte die Bergrettung auch klären können. Es war anscheinend ein Schreibfehler. Eine falsche Zahl und die Position liegt komplett daneben.

Die Bergretter konnten die Vermissten am Abend gegen 6 Uhr auffinden. Ein paar Stunden später und es wäre nochmal eine lange Nacht geworden. Schon am nächsten Tag bekam ich einen Anruf von einer ungarischen Versicherung. So ein Einsatz kostet doch nur, wenn der Hubschrauber geflogen ist, dachte die gute Frau. Leider konnte ich sie nicht beruhigen. Der Einsatz eines Bergretters kostet pro Stunde 35,- €. Bei dem Einsatz dürften also ca. 15 Tausend Euro zusammen gekommen sein.

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Roman Kurz
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